Wissensmanagement 3.0


 Atle Iversen beschreibt in seinem Blog, was er unter Wissensmanagement 3.0 versteht und vergleicht dies mit den Versionen 1.0 und 2.0.  Seinem Ziel, das Produktivitätsproblem zu lösen, kann ich nur unterstützen. Die Frage ist nur, ob das allein mit Personal Knowledge Management Software geht (seine Firma PpcSoft entwickelt und vertreibt ein Tool für das Personal Knowledge Management). Da habe ich meine Zweifel. Grundsätzlich finde ich es aber sehr gut, einmal beim Wissensarbeiter selbst zu beginnen und sich zu fragen, wie dieser produktiver werden kann. 

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Den Mitarbeitern fehlt die Orientierung


Gemäss einer Studie, die von Steria Mummert Consulting in Kooperation mit dem IMWF Institut für Management- und Wirtschaftsforschung durchgeführt wurde, fehlt 27% der Mitarbeiter das Wissen um die Ziele und die Strategie des Unternehmens, in dem sie arbeiten. Für diese Studie wurden 351 Fach- und Führungskräfte aus verschiedenen Branchen befragt.

Für das fehlende Wissen werden mangelnde Transparenz und Kommunikation häufig als Ursache genannt. Aus der Sicht von Wissensarbeit und Enterprise 2.0 ist die Selbststeuerung der Mitarbeiter und Teams, ausgerichtet auf die Unternehmensziele, neben einer hohen intrinsischen Motivation einer der wichtigsten Bausteine für den Erfolg. Das Ergebnis der Studie ist wieder einmal ein Indiz dafür, wie schwer sich Unternehmen damit tun, ihre Kultur von „Command and Control“ sowie monetären Anreizsystemen zu Selbstverantwortung und Selbststeuerung  zu wandeln. Für die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen, besonders im Umfeld innovativer Produkte und Dienstleistungen, wird dies aber sehr wichtig sein.

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Wissensmanagement kurz, bündig und…


… auf das Wesentliche reduziert. David Gurteen fasst in einem sehr kurzen Interview zusammen, was Knowledge Management ist:

Besonders zu hervorzuheben ist die Aussage „where people meet together personally“ !

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Spanien: ohne Bildung keine Chance


In einem Artikel vom 8.April 2010 schreibt der Economist über die hohen Arbeitslosenzahlen in Spanien. Nahezu 20% der erwerbstätigen Bevölkerung sind momentan arbeitslos. Was noch viel schlimmer ist: etwa 40% aller unter 25-jährigen sind ohne Arbeit und damit auch ohne Zukunft.  Spanien verfügt über eine ganze Reihe von Universitäten und auch so etwas wie Fachhochschulen. Das ist nicht das Problem. Deutlich zeigt sich hier aber, was passiert, wenn eine Branche die vorwiegend die niedrig oder gar nicht Qualifizierten beschäftigt, von heute auf morgen zusammenbricht. Die Baubranche hat durch den Knall der Immobilienblase in Spanien enorm gelitten.

Das sollte auch für ein Industrieland wie Deutschland ein Warnzeichen sein. Immer nur auf die Industrie zu setzen, ist ein sehr riskanter Weg. Vor allem ist es wichtig, jetzt schon die Wirtschaftsleistung für die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts vorzubereiten. Und da glaube ich nicht, dass die Produktion auch von hochwertigen Gütern in Mitteleuropa noch die gleice Bedeutung habe wird wie jetzt.

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Kommunistisches Wissensmanagement


Im Blog von Michael Fridrich fand ich einen Beitrag, der die Demokratisierung des Wissens, das in den Köpfen der Mitarbeiter weilt, als Ziel von Wissensmanagement darstellt:

„Für Unternehmen und ihre Führungskräfte muss es deshalb darum gehen, die innerbetrieblichen Prozesse des Informationsaustauschs zu systematisieren und eine Unternehmenskultur zu schaffen, die Wissen demokratisiert und allen relevanten Nutzergruppen zur Verfügung stellt. Individuelles Wissen muss also seinen flüchtigen Zustand verlassen und in ein kollektives Firmenwissen, das durch Stabilität und Zugänglichkeit gekennzeichnet ist, überführt werden.“

Wissen ist für Wissensarbeiter das einzige Produktionsmittel. Das Bestreben, dies in ein Kollektiveigentum des Unternehmens zu überführen, auf das jeder unabhängig von den Personen zugreifen kann, ist aus den folgenden Gründen zum sicheren Scheitern verurteilt:

  • Welcher Wissensarbeiter hat die Motivation, sein Wissen für alle verfügbar zu machen? Zwang oder extrinsische Anreize bewirken hier nur oberflächlich etwas.
  • Wissensarbeiter, die auf einem Fachgebiet über Expertise verfügen, können gar nicht artikulieren, was sie wissen. Hier gilt der bekannte Satz von Dave Snowden: „You only know what you know when you need to know it“. Was ein Wissensarbeiter weiss, tritt nur zu Tage, wenn er dieses Wissen in Problemlöseprozessen benötigt. Das funktioniert genauso, wie wir Menschen nicht die Namen aller Personen nennen können, die wir kennen. Erst wenn wir die Person sehen, fällt uns (meist) der Name ein.
  • Auch wenn wir das Wissen sehr gut externalisieren könnten, dürfen wir den Lernprozess des Wissensempfängers nicht unterschätzen. Der Wissensträger hat vielleicht 10 Jahre benötigt um sich die Expertise aufzubauen. Nur weil er ein schönes Dokument geschrieben hat, ist es eine Illuson zu glauben, der Lernprozess liesse sich auf ein paar Tage oder Wochen reduzieren. Für eine Abfrageprüfung wie die leider so weit verbreiteten Zertifizierungen im Software Engineering oder im Projektmanagement mag das vielleicht reichen. Soll diese Person aber ein komplexes Problem lösen, sieht es ganz anders aus. Man wird feststellen, dass es hier nach wie vor sehr grosse Unterschiede zum Experten gibt. Hier gilt der von mir geprägte Satz: „You only know what you should know, when you need to know it„.

Somit hat auch der Kommunismus in der Wissensgesellschaft keinen Platz. Die Produktionsmittel – das Wissen, die Expertise – gehört den Mitarbeitern. Die Organisation – also das Unternehmen – muss Rahmenbedingungen schaffen, in denen die Wissensarbeiter dieses Wissen optimal zur Entfaltung bringen und sich neues Wissen aneignen können. Wer seine Wissensarbeiter nur enteignen möchte, wird nicht mehr lange im Geschäft bleiben.

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Expertenstudie zu Wissensmanagement


Das Know-Center in Graz, Österreichs Kompetenzzentrum für Wissensmanagement, hat zusammen mit der Firma Succon & Partner eine Expertenstudie durchgeführt mit interessanten Ergebnissen zum Thema Wissensmanagement. Im Hinblick auf den aktuellen Status zu Wissensmanagement in der Prozessmanagement-Praxis zeigen sich unter anderem folgende Ergebnisse:  

  • Der Mensch ist das zentrale Element im Wissensmanagement, da er in Bezug auf Wissen sowohl den jeweiligen Kontext als auch die jeweils vorhandene Information interpretiert. Die zentrale Rolle des Faktors „Mitarbeiter“ für Wissensmanagement im Prozessmanagement wird nicht in vollem Umfang erkannt.
  • Die Kernaufgaben im Wissensmanagement sind aus Sicht der Prozessmanager die Tätigkeiten „vorhandenes Wissen transparent machen“ sowie „relevantes Wissen identifizieren“.
  • Technische Lösungen/Tools besitzen für Wissensmanagement im Prozessmanagement aus Sicht der Praxisexperten in den meisten Fällen lediglich Unterstützungscharakter.

Eigentlich nicht viel Neues – und dennoch erstaunlich, wie viele Wissensmanagementprojekte rein technisch betrachtet werden.

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Neu: Artikelvoting


Ich habe neu für alle kommenden und bereits bestehenden Beiträge eine Voting-Funktion aktiviert. Bitte beim Lesen der Artikel ein Voting abgeben, das hilft mir beim Verbessern der Artikel und anderen Lesern besonders lesenswerte Artikel leichter zu finden. Also bitte regen Gebrauch davon machen!

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Deutschlands Autoindustrie am Scheideweg


Matthias Horx hat in einem Artikel Die Zukunft des Automobiles schon in 2007 die Entwicklungstrends sehr gut zusammengefasst. Sehr viele Autohersteller entwickeln zur Zeit neue Antriebskonzepte und präsentieren meist Prototypen auf den entsprechenden Messen. Auch sind serienreife Fahrzeuge für die nächsten Jahre angekündigt. Besonders das Elektroauto, als Hybrid oder vollständig über eine Batterie versorgt,  scheint im Moment das Rennen zu machen. Auch in USA wird es 2010 eine erste grosse Installation von Elektrotankstellen geben und Nissan wird über 5000 neu entwickelte Fahrzeuge vom Typ Nissan Leaf ausliefern.

Die deutschen Autohersteller scheinen dennoch an der alten Technik festzuhalten. In einem mit Karl-Heinz Büschemann geführten Interview auf changeX erkennt man die Trägheit der deutschen Autohersteller. Gerade in der Motorenentwicklung, die ja über Jahrzehnte eine Domäne deutscher Ingenieure war, scheint wenig Bereitschaft vorhanden zu sein, umzudenken. Für die Ingenieure in der Entwicklung – allesamt Wissensarbeiter mit guter Ausbildung und zum Teil enormer Erfahrung – bricht ihre Existenz als Experten für Verbrennungsmotoren oder Vergasertechnik einfach weg. Ein typisches Verhalten ist daher das sture Festhalten an der alten Technologie. Wer 20 Jahre Benzinmotoren entwickelt hat, aber noch weitere 20 Berufsjahre vor sich hat, steht vor einer schwierigen Entscheidung.

Disruptive Technologiewechsel sind für Wissensarbeiter, deren Kapital ihr Wissen und ihre Erfahrung in der Anwendung dieses Wissens ist, die gefährlichsten Situationen. Generell kann man davon ausgehen, dass sich solche Wechsel meist über ein Jahrzehnt hinziehen. Beispiele sind hierfür im Software Engineering der Wechsel von prozeduraler zu objektorientierter Programmierung oder in der Elektronik von der Analog- zur Digitaltechnik. In solchen Momenten spielt es eine grosse Rolle, ob das Unternehmen, in dem man beschäftigt ist, grundsätzlich einmal diesen Technologiewechsel sieht und auch mitmachen möchte, und auf der anderen Seite, inwieweit das Unternehmen bereit ist, in die bestehende Mannschaft zu investieren und den Technologiewechsel auch durch Unterstützung von aussen zu ermöglichen. Das alles nützt natürlich nur, wenn auch jeder Wissensarbeiter selbst bereit ist, sich in ein neues Gebiet einzudenken und so viel Selbstvertrauen hat, dass er zumindest zu Beginn als Anfänger keinen Expertenstatus mehr hat.

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Wissen – Rohstoff der Zukunft


Bereits im Jahre 2006 hat der bekannte Zukunftsforscher Matthias Horx in einem Artikel geschrieben, dass Wissen und Bildung der wichtigste Rohstoff der Zukunft ist. Der Wandel zur Wissensgesellschaft ist einer der wichtigsten globalen Trends. Die Anzahl der Abiturienten und damit auch Hochschulabsolventen ist in Deutschland viel zu niedrig. In Ländern wie China und Indien verlassen jedes Jahr ca. 1 Million Menschen die Hochschulen mit einem Abschluss. Auch im Blogeintrag vom 12.März, Deutsches Schulsystem – ready for 21st century, habe ich mit einem aktuellen Artikel im Economist dieses Thema aufgegriffen.

Interessant ist auch nachfolgende die Grafik von Matthias Horx:

Seit 1960 ist der Anteil an Wissensarbeitern – ich fasse hier Strategen und Koordinatoren ebenfalls zu Wissensarbeitern zusammen – praktisch gleich geblieben: immer so um etwa 30 – 35%. Was sich völlig verändert hat und noch wesentlich intensiver verändern wird, ist der Anteil der Wertschöpfung der Wissensarbeiter im Vergleich zu Servicearbeitern und normale Arbeiter. Im Blogeintrag Der sektorielle Strukturwandel habe ich dies beschrieben. Dabei ist besonders die untenstehende Grafik hervorzuheben, die den metasektoriellen Strukturwandel beschreibt:

Wenn Deutschland, wie Matthias Horx uns schon vor Jahren mitgeteilt hat, die Investitionen in Bildung nicht massiv erhöht, wird die Wertschöpfung durch wissensintensive Arbeit zukünftig woanders stattfinden, nämlich dort wo sehr viele gut ausgebildetete Mitarbeiter zu finden sind – in Indien, in China, in…

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Die Rückkehr des Taylorismus?


In der von der Hans-Böckler-Stiftung herausgegebenen Zeitschrift Böckler Impuls 20/2009 findet sich ein Artikel, der die Re-Taylorisierung der Arbeitsverhältnisse in den Fabriken beklagt:

„Die Werksleitungen zentralisieren Fachaufgaben und teilen die übrige Arbeit in kleinere Abschnitte auf. Tätigkeiten, die Abwechslung bieten, fallen weg, Beschäftige müssen einzelne Handgriffe ständig wiederholen, Taktzeiten werden kürzer. Es gebe eine Tendenz zur Formalisierung und Standardisierung von Tätigkeiten und Abläufen…  Soziologen sprechen von einer Re-Taylorisierung, einer Rückkehr zur Zerlegung der Arbeitsprozesse in sehr kleine Schritte – das Prinzip Fließband. Solche restriktiveren Formen der Arbeitsorganisation finden sich vor allem in der Fertigung großer Serien, aber auch in vielen Dienstleistungsbereichen…   Dieser Re-Taylorisierung in den Fabrikhallen stehen in anderen Teilen der Arbeitswelt weitere, teils gegenläufige Trends gegenüber….  So kämpfen etwa qualifizierte Angestellte in vielen Branchen mit einem Übermaß an Eigenverantwortung – für Ziele, die der Markt immer höher schraubt.

Die Effizienz in den Fabrikhallen und Callcentern steht der Effektivität bei qualifizierten Angestellten gegenüber. Wenn das Produkt schon x-mal existiert und es nur darum geht, es noch preisgünstiger zu fertigen, müssen sich die Organisationsformen dem Preisdiktat beugen oder aus dem Markt ausscheiden. Solange Effektivität, also das Produkt mit dem optimalen Nutzen zu entwickeln und in Kleinserien zu fertigen, im Vordergrund steht, ist die Arbeit für Menschen interessant und motivierend.

Dass der Deutsche Gewerkschaftsbund DGB die Arbeitnehmer vor zu viel Effizienz schützen will ist begrüssenswert und wichtig. Dennoch wünsche ich mir von den Gewerkschaften auch mehr Weitblick, was den Wandel in unserer Arbeitswelt anbelangt. Immer weiter zunehmende Arbeitszeitverkürzung führt zwar kurzfristig zu weniger Arbeitslosen, langfristig bewegt sich Deutschland aber zur Selbstversorgergesellschaft. Bei so viel Freizeit und letztendlich doch bescheidenerem Lohn renoviert eben jeder seine Wohnung oder sein Haus selbst. Die Baumarktwüsten vor den Toren unzähliger Städte zeigen, in welche Richtung Deutschland marschiert.

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Arbeit macht immer mehr Menschen krank


In der heutigen Ausgabe der Welt Online schlagen die Therapeuten Alarm: Immer mehr Menschen leiden zunehmend unter psychischen Erkrankungen aufgrund ihrer Jobs. Besonders interessant ist der Unterschied zwischen (einfachen) Dienstleistungsberufen und Berufen mit körperlicher Arbeit:

„Ein weiterer Grund für die Zunahme sei aber spezifische Belastungen in der modernen Arbeitswelt: So entwickeln Erwerbstätige bei einer Kombination aus hohen Anforderungen einerseits und geringem Einfluss auf den Arbeitsprozess andererseits überdurchschnittlich häufig psychische Erkrankungen“.

Vor allem bei den einfachen Dienstleistungen wie z.B. die Arbeit in Callcentern sieht es schlecht aus. Ganz anders dagegen Berufe mit körperlicher Arbeit:

„Dagegen sei der Anteil der psychischen Erkrankungen am Krankenstand in klassischen Arbeiterberufen, wie beispielsweise in der Land- und Forstwirtschaft oder im Baugewerbe ein Drittel bis um die Hälfte niedriger als im Durchschnitt aller Erwerbstätigen“.

Als ein entscheidender Faktor wird der Einfluss auf den Arbeitsprozess genannt. Zwar sind auch in der Landwirtschaft oder auf dem Bau viele Arbeitsprozesse grob festgelegt, aber im Detail kann doch der Arbeiter gewisse Dinge individuell gestalten. Zudem treffen z.B. auf dem Bau immer wieder Problemstellungen zu Tage, die einer kurzen Überlegung oder gar Diskussion mit Kollegen bedürfen.

Meine Erkenntnis daraus: Problemlösendes Arbeiten, zumindest hin und wieder und wenngleich auch nur mit wenigen Freiheitsgraden, hält die Menschen psychisch gesund und motiviert. Die körperlichen Anstrengungen können natürlich dennoch zu Schäden führen, aber das ist hier nicht das Thema. Die Taylorisierung in Callcentern zur Maximierung der Effizienz ist ein Relikt der frühen Industrialisierung. Arbeitsteilung in Verbindung mit Routinearbeit ohne Rücksicht auf die kognitiven Ansprüche der arbeitenden Personen war schon vor 200 Jahren das Mittel Nummer 1 zur Produktivtätssteigerung.

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Wie nutzen wir Twitter?


Klaus Eck stellt in seinem Blog PR Blogger die Resultate einer Studie über die Nutzung von Twitter vor. Erstellt wurde die Studie vom Markt- und Medienforschungsunternehmen Result. Die Einteilung in neun Typen finde ich auf den ersten Blick gelungen.

Da mein Blog ebenfalls alle neuen Einträge automatisch an Twitter sendet und sich mit dem Thema Wissensarbeit beschäftigt, gehöre ich zur Kategorie der Monothematiker.

Viel Spass beim herausfinden der eigenen Kategorie wünscht

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„You can’t manage knowledge – nobody can. What you can do is…


… to manage the environment in which knowledge can be created, discovered, captured, shared, distilled, validated, transferred, adopted, adapted, and applied“. Dieses Zitat von Chris Collison und Geof Parcell hat Stephen Collins bereits im Vortrag  im August 2007 auf der IIM National Conference in Canberra präsentiert.

Dennoch hält sich die weit verbreitete Meinung, Wissen kann als Ressource genauso gemanaged werden, wie Rohstoffe oder Kapital. Mit diesen falschen Analogien wird verzweifelt seit Jahren versucht, das Wissen aus den Köpfen zu extrahieren und zu dokumentieren. Dabei hat Wissensmanagement zunächst einmal mit den Wissensträgern zu tun, wie Luis Suarez von IBM bemerkt:

„… the focus is pretty much around the subject of people… And, like we all know, a successful KM strategy is one that combines into a perfect balance a focus on the people, on the tools and on the processes.“

Eine sehr empfehlenswerte Präsentation von Stephen Collins, die den Kern von Knowledge Management 2.0 vorstellt.

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Sind Zweiradmechaniker Wissensarbeiter?


Zu dem oft anzutreffenden Fehler, dass Wissensarbeiter immaterielle Dinge entwickeln oder gar produzieren (siehe auch Blogeintrag Menschenführung in der Wissensarbeit) habe ich einen interessanten Artikel in der New York Times gefunden:  The Case for Working with Hands von Matthew B. Crawford.

Crawford beschreibt, wie sehr stupide Büroarbeit – also Routinearbeit mit der Bearbeitung immaterieller Dinge – mittlerweile verbreitet ist und gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten durch Outsourcing in Billiglohnländer alles andere als sicher ist. Ganz im Gegenteil dazu Handwerksberufe, die sich auf besondere Problemfälle spezialisiert haben:

„Because the work is dirty, many people assume it is also stupid. This is not my experience. I have a small business as a motorcycle mechanic in Richmond, Va., which I started in 2002. I work on Japanese and European motorcycles, mostly older bikes with some “vintage” cachet that makes people willing to spend money on them. I have found the satisfactions of the work to be very much bound up with the intellectual challenges it presents“.

Die Reparatur kann ein komplexes Abwägen vieler sich widersprechender Anforderungen sein:

Imagine you’re trying to figure out why a bike won’t start. The fasteners holding the engine covers on 1970s-era Hondas are Phillips head, and they are almost always rounded out and corroded. Do you really want to check the condition of the starter clutch if each of eight screws will need to be drilled out and extracted, risking damage to the engine case? Such impediments have to be taken into account. The attractiveness of any hypothesis is determined in part by physical circumstances that have no logical connection to the diagnostic problem at hand. The mechanic’s proper response to the situation cannot be anticipated by a set of rules or algorithms„.

Some diagnostic situations contain a lot of variables. Any given symptom may have several possible causes, and further, these causes may interact with one another and therefore be difficult to isolate. In deciding how to proceed, there often comes a point where you have to step back and get a larger gestalt„.

Der Mechaniker nutzt also sein Wissen um trotz der Komplexität der Anforderungen schrittweise eine Lösung zu finden. Er ist Wissensarbeiter in Reinkultur – trotz schmutziger Finger und jede Menge materieller Dinge, mit denen er arbeitet. Dagegen ist ein Call-Center Agent im klimatisierten Cubicle, dem von einem regelbasierten Wissensmanagementsystem zur Beantwortung der Fragen des Kunden jegliche Denkarbeit abgenommen wird, ein in der Routinearbeit gefangener Informationssoldat – trotz sauberer Fingernägel.

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Menschenführung in der Wissensarbeit


Auf der Plattform für Projekt- und Prozessmanagement JAHOODA hat Patrick Fritz einen Ausschnitt eines Vortrags von Ralf Westphal mit dem Thema Menschenführung in der Wissensarbeit veröffentlicht. Der Beitrag und somit auch das Video sind zwar schon etwas älter (aus dem Jahr 2008), dennoch ist eine Aussage von Ralf Westphal interessant:

  • Wissensarbeit ist Arbeit am Wissen und ist ein ständiger Schöpfungsprozess

Hier kann ich voll zustimmen. Problemlösen heisst, nicht zu wissen, wie die Lösung zu einem gegebenen Problem aussieht und wie der Weg genau dorthin verläuft. Die Suche nach einer Lösung stellt einen Schöpfungsprozess dar, da hierbei neues Wissen erzeugt wird, welches bei ähnlichen Problemstellungen wieder herangezogen werden kann.

Mit der Aussage, dass Wissensarbeit immateriell ist, im Gegensatz zu Objektarbeit, die materiellen Charakter hat, kann ich mich allerdings nicht einverstanden erklären. Wissensarbeit heisst Lösen von Problemen. Dabei ist es vollkommen egal ob das Problem materieller oder immaterieller Natur ist. Ein Softwareentwickler, der sich überlegen muss, wie er die Benutzerschnittstelle gestaltet, damit diese benutzerfreundlich wird, löst genauso ein Problem wie ein Chirurg, der bei einer nicht alltäglichen Operation entscheiden muss, welches Skalpell er einsetzt, wie tief er schneiden soll und welche Sicherheitsmassnahmen er ergreifen muss um das Leben des Patienten so wenig wie möglich zu gefährden.

Dass Wissensarbeit auch eine besondere Art von Menschenführung verlangt im Gegensatz zur Routinearbeit, sieht man an den vielen Diskussionen um Enterprise 2.0.

Viel Spass beim Lesen wünscht

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